Vom größten Glück

Veröffentlicht am 24. April 2025 um 10:59

Als ich Jonas das erste Mal sah, war ich erstaunt: Was, so groß ist er und war in meinem Bauch? So viele Haare! Sind alle Finger und Zehen dran? (Ich stand unter Medikamenteneinfluss.) Seine Haut war sanft und weich, etwas lila-braun. Ich weiß noch, wie er mir auf die Brust gelegt wurde, während hinter dem blauen Tuch mein Bauch wieder zugenäht wurde. Er war ruhig, fast perplex. So schnell und abrupt war er auf die Welt gekommen.

Die ersten Wochen und Monate waren schwer. Mit den Medikamenten, der Zeit und Frühling wurde es besser. Und ich sehe ihn an und sehe mein Kind. Natürlich das süßeste Kind. Mit seinen großen, dunklen, braunen Augen. Sein Lächeln, wobei er die Nase kraus zieht. Sein Lachen, das jeden ansteckt. Wie groß er seinen Mund öffnen kann, wenn es etwas Leckeres zu Essen gibt. Und seine Hände und Füße! Vor allem seine Füße. So kleine Zehen, zarte Haut. Sie passen (noch!) in meine Hand. Er kommt ins Zimmer und umschlingt meine Beine, um sie umarmen. Er läuft an meiner Hand und reibt sein Gesicht daran, um zu kuscheln. Er macht mir Sandeis und Sandkaffee mit Milch. Weil er genau weiß, dass Mama Milch in ihren Kaffee nimmt. Er findet es lustig, wenn ich seinen Bauch sprechen lasse. Und Aufstehen ohne noch zusammen im Bett zu kuscheln, das geht ja mal gar nicht. Er jauchzt, wenn wir mit ihm auf dem Arm in der Küche zur Musik tanzen oder er auf meinem Schoß sitzt und wir „Schotterwagen“ spielen. Ich war so wehmütig (mal wieder), als die Phase des Sprechens begann, weil ich dachte, mir werden diese niedlichen Babylaute fehlen. Was soll ich sagen: Auch das Sprechen ist ziemlich niedlich. Und manchmal schallt das Kinderlied „alle meine Entchen“ durch die Straßen, wenn Jonas es uns auf einem Spaziergang vorsingt. Am besten fünf Mal hintereinander. Er liebt es zu malen, vor allem mit rot. Er ist fasziniert von Zügen, Baggern und Bussen und er hat seine Kuscheltiere alle soooo gerne. Zusammen mit dem Feuerwehrauto (noch aus meiner Kindheit) müssen alle zusammen abends unter der Decke kuscheln. Einer Kugel Erdbeereis kann er nicht widerstehen und im Supermarkt sucht er sich einen Apfel aus. Ich kann mit ihm die Fernsehserien aus meiner Kindheit neu entdecken. Momentan steht Pingu, der Pinguin mit seinem Freund der Robbe und seiner kleinen Schwester Pinga, hoch im Kurs. Mein Herz schlägt höher, wenn ich meine beiden „Männer“ im Spielezimmer zusammen spielen höre, wie sie eine Murmelbahn oder Eisenbahn bauen.

Wenn ich am frühen Nachmittag zur Kita laufe, um ihn abzuholen, bin ich einerseits noch in meinem Mittagstief und wünsche mir einen ruhigen Nachmittag und weiß gleichzeitig, dass ich sofort lächeln muss, wenn ich Jonas sehe. Denn er macht Spaß. Er ist voller Energie – ob schreien, toben, weinen oder spielen. Auch wenn es mal anstrengend ist und ich nur zu hören bekomme: „Mama soll weg“, weiß ich, dass ich mit ihm auch wieder Momente voller Glückseligkeit erlebe. Immer wieder. Er bringt mich zum Staunen und Lachen. Und ich kann wütend und genervt werden, wenn er nicht so will wie ich und ich nicht so wie er. Ich kann mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Es ist so viel voller mit ihm geworden. Voller an Emotionen, Spielplatzgängen, schlaflosen Nächten, Windeln und Lebendigkeit. Mama sein ist ganz schön [und] schwer.

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