Eltern sein

Veröffentlicht am 1. September 2025 um 16:15

Mama sein, Eltern sein, ist wunderschön und manchmal unendlich schwer. Es ist eine Achterbahn der Gefühle. Tagtäglich. Und dieses Gefühl von bitter-sweet begleitet dich die ganze Zeit. Eltern sein bedeutet loslassen.

Von Ideen und Vorstellungen, die einen selbst geprägt haben, wie du als Mama und dein Kind als Kind sein muss und zu schauen, wer bin ich eigentlich als Mama in Beziehung zu meinem Kind? Wer ist mein Kind? Was macht es gerne? Wie erlebt es Gefühle von Freude, Wut, Trauer?

Von der Idee zu kontrollieren und zu bestimmen. Ja, als Mama hat man die Verantwortung. Und das heißt, dass du Entscheidungen triffst. Für dein Kind. Aber mit jedem Tag weniger. Denn du begleitest nur. Und mit jedem Tag lernt dein Kind: einschätzen, abschätzen, Situationen beurteilen, Gefühle fühlen und nicht darin zu versinken. Und es entscheidet. Nicht immer moralisch richtig, nach der Norm oder dem Wetter angepasst. Und doch reifen die Entscheidungen und plötzlich stellt man fest: Ja, warum soll es nicht so gehen wie mein Kind es gerade will? Mit welcher Erklärung und Berechtigung setze ich nur meinen Willen durch?

Und dann kommt der Tag, an dem du dein Kind nicht einfach mehr in den Arm nehmen und ihm einen Kuss geben darfst – so wie du es doch von Anfang an gemacht hast. So wie die Vertrautheit und die Nähe zwischen euch doch erst entstanden ist, die Mutter-Kind-Beziehung. Davor habe ich am meisten Angst und spüre schon jetzt die Trennung, den Verlust der Innigkeit. Natürlich ist es eine gute Entwicklung, wenn dein Kind seine eigenen Grenzen kennt, äußert und durchsetzt. Natürlich will es nicht immer einfach angefasst werden – das wollen wir ja auch nicht immer. Natürlich braucht es in einer Phase den Abstand und die Abgrenzung, damit danach – hoffentlich – etwas Neues wachsen kann und sich Mutter und Kind gegenüberstehen als zwei Erwachsene. Und trotzdem: Er war doch mein Baby! Er ist doch mein Kind. Immer. Und er war auch schon immer ein eigener Mensch; mit Persönlichkeit, Wünschen und Grenzen, die sich mit der Zeit wandeln. Weil wir uns alle verändern. Auch unsere Kinder, gerade unsere Kinder! Und wie sie uns sehen und welche Rolle wir für sie übernehmen dürfen.

Es ist ein Prozess, kein plötzliches Loslassen wie ein Fallenlassen. Es ist ein Festhalten und Spüren und Respektieren, wann der Griff gelockert werden muss. Und auch ein Zurückbleiben mit offenen Armen und einem Herz, das schmerzt. Ich glaube, dass Eltern sein die eigene Verletzlichkeit vor Augen führt. Denn man gibt seine Liebe und hofft, bangt, weint und lacht mit seinem Kind. Man fühlt sich so verwoben und ist, gerade in den ersten Jahren, unverzichtbar für sein Überleben. Und dennoch wird es für das Kind nie so sein wie für dich. Ja, es liebt dich auch, lernt auch von dir, respektiert dich und ist in seinen ersten Jahren abhängig von dir. Aber es hat das Privileg – wenn alles gut läuft – dass es dich wegstoßen kann, die einst unverzichtbaren Begleiter als lästig abgestempelt werden, und dennoch von dir immer wieder mit offenen Armen empfangen wird.

Ich weiß, dass ist der Gang einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung. Und auch dass es nicht immer so läuft, dass Kinder sich ihr Leben lang an ihre Eltern wenden können oder wollen. Und trotzdem ist es der schmerzhafte und anstrengende Teil des Eltern seins. Man wird immer wieder an seine Grenzen gebracht. Ich meine nicht, das tägliche auf und ab, wenn man in einer Minute sein Kind mit Küssen überschütten möchte und es im nächsten Moment verflucht. Mama sein bringt mich an meine Grenzen, weil ich mich mit einem anderen Menschen zu verbunden fühle; ja mich diesem anderen Menschen verschrieben habe. Und diese (fast) bedingungslose Liebe nicht in der gleichen Form von meinem Kind gespiegelt werden kann oder auch sollte. Es ist eine Beziehung, in der beide Seiten lieben und leiden. Denn auch Jonas wird mir später bestimmt erzählen, was für ihn alles nicht richtig war.

Ich weiß nur, dass ich jeden Abend beim Einschlafen denke, was für ein Privileg es ist, dass ich hier mit Jonas zusammengekuschelt im Bett liegen darf, sein Kopf mit auf meinem Kissen, und beobachten kann, wie er langsam ins Traumland entgleitet. Und ich spüre das Glück und die Dankbarkeit, die Wärme, die mich durchströmt und die Träne um das Wissen, das dies irgendwann vorbei sein wird.

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