Im Vergleich

Veröffentlicht am 22. April 2026 um 14:18

Es ist leichter und doch ernüchternd. Denn im Vergleich kann ich nicht mithalten. Und ich meine noch nicht einmal die (scheinbar) picture-perfect Mütter und Familien auf Instagram oder anderen Social Media Plattformen – denn ich bin nämlich so alt und einfach auch immer zu spät dran mit Trends, so dass ich nur einen Facebook-Account besitze und da postet niemand mehr etwas.

Aber keine Sorge, ich brauche kein Social Media, um in die Falle „bei allen anderen sieht es so schön/einfach/perfekt/… aus“ zu tappen. Gefolgt von „warum kann ich das nicht? Warum schaffe ich das nicht? Warum bin ich immer müde/genervt/energielos/… und frage mich um 16 Uhr (spätestens um 16:30 Uhr), wann ich denn endlich Abendessen machen kann, damit der Tag endlich zum Ende kommt?“.

Ich sehe die Mütter in der KiTa, die zwei Kinder, Beruf und Playdates jonglieren. Und es scheint kein Ball runterzufallen. Oder ich höre die Geschichten von Elternzeit mit Baby irgendwo tief im Süden und frage mich: wie?! Wir haben es mit Baby in einen Urlaub mit zwei Stunden Fahrtzeit geschafft. Und ganz ehrlich: Aurelia hätte diesen Urlaub nicht gebraucht. Und Jonas auch nicht. Er schläft bzw. schläft nicht – wie zu Hause. Er spielt Imperator gegen Rebellen – wie zu Hause. Und er freut sich einfach, wenn Papa oder Mama Zeit für ihn haben. Was nicht der Fall ist, wenn wir packen müssen…

Als wir den Urlaub gebucht haben, war ich voller Freude rauszukommen. Nach Monaten von Renovierung, der dunklen Winterzeit und dem Wochenbett. Und wir haben es ja auch geschafft. Nur dass es sich nicht picture-perfect anfühlt, sondern eigentlich wie zu Hause: müde, genervt und glücklich, dass wir alle zusammen sind.

Switch back zum Alltag zu Hause. Wir haben es bislang auch geschafft, Jonas zur KiTa zu bringen und abzuholen. Weil Micha es gemacht hat. Ich sehe eine Mutter mit drei Kindern, eines davon kaum älter als Aurelia, und sie schafft es selbst – ohne Mittagsschlaf! Und ich? Einen Tag hingebracht, abgeholt und vollkommen platt. Mein achievement of the day: Ich trage eine Jeans, eine Hose mit Knopf! (Aber ich nur, weil sie eine Nummer größer ist als vor der Schwangerschaft.) Vielleicht sollte ich zurück zu den Wurzeln. Eine Freundin erinnerte mich an mein Mantra aus der ersten Babyzeit. Ziel des Tages: Alle überleben. Es klingt vielleicht makaber, soll aber einfach zeigen, in welchem survival-Modus wir, ich, damals unterwegs waren. Und auch damals, so dämmert es mir langsam wieder, hat das blöde Vergleichen seinen Teil beigetragen, mich in den Strudel nach unten zu ziehen. Weil es sich (scheinbar) alle hinbekommen – nur ich nicht.

Im Mutterglück schweben, Babykurse besuchen, noch weitere Kinder betreuen, Urlaube machen, Hobbies haben, … oder auch nicht. Ich mache gerade all das (solange man den Blog schreiben und fünf Minten mit der Gartenschere etwas abschneiden, bis das Baby wieder auf den Arm will, als Hobbies bezeichnen kann). Und ich fühle mich nicht so, als wenn ich es alles hinbekomme.

Ich fühle mich oft genug überfordert. Dann kommen die Tränen oder ich werde laut und gereizt. Dann will ich mich manchmal am liebsten in eine Höhle verkriechen. Ich kann mich kraftlos, erschöpft, monoton, genervt, verzweifelt und resigniert fühlen. Und es vergeht. Auch wenn sich das Gefühl und die Geschichten dazu in diesem Moment nicht flüchtig, sondern wie die Ewigkeit anfühlen. Aber diese Ewigkeit ist endlich.

Und dann lache ich wieder mit meinem Baby um die Wette, lese mit meinem Kind Rabe Socke und lasse mir von ihm die verschiedenen Dinos erklären, während wir kuscheln. Und ich staune über uns, dass wir tatsächlich zwei Kinder haben. Dann kommt die Freude, der Stolz, die Dankbarkeit, das Durchatmen und Genießen.

So auch in unserem ersten Urlaub zu viert. Meine Kinder überraschten mich mit einer Nacht voller Schlaf (7 Stunden am Stück!) und auch ohne Mittagsschlaf und dank drei Kaffees sind wir geschwommen, haben gespielt, gegessen und gelacht.

Und ja, ich weiß rational, dass vergleichen blöd ist; dass man nicht hinter die Kulissen gucken kann und wir einfach alle unterschiedlich sind und somit auch verschieden auf Stress oder Ruhe reagieren. Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis alle Teile von mir damit zufrieden und im Einklang sind einfach nur „wir“ als Familie zu sein; einfach nur „ich“ als Mama zu sein..sein zu dürfen.

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