Du kamst mit einem Schrei auf die Welt (und scheinbar auch mit einem gesunden Darm laut Aussage des OP-Teams). Du wurdest von liebevollen Händen empfangen, in warme Decken gewickelt und zu mir an den Kopf gelegt. Da liefen schon längst die Tränen über meine Wangen. Es ist jetzt tatsächlich soweit. Wir lernen dich kennen.
Nach Monaten des Hoffens auf einen positiven Test, auf eine komplikationsfreie Schwangerschaft und auf eine selbstbestimmte Geburt werden wir dich gleich im Arm halten. So viele Emotionen. Ich gucke deinen Papa an in seiner grünen OP-Kleidung und kann es nicht fassen. Da bist du. Dein Kopf gegen meinen. Du weinst mir ins Ohr. Wir flüstern dir beruhigende Worte zu und du hälst inne. Wie weich deine Haut ist. Wie fest du deine Augen noch verschließt. Wie klein deine Finger sind. Und Haare hast du auch schon. Zwar nicht so viele wie dein Bruder bei seiner Geburt, aber dafür hast du auch so eine Stupsnase. Schon in diesem Moment kann ich mir gar nicht vorstellen, dass du bei mir im Bauch warst! Ein richtiger fertiger Mensch. Und doch so klein und zerbrechlich. Dein Mund sucht und findet meine Brust, die viel zu groß neben deinem Kopf erscheint. Du stürzt dich mutig und energisch auf deine neue Essensquelle und weißt, was zu tun ist. Und auch ich weiß, was zu tun ist: dich kuscheln, verzückt anschauen und die Hormonkaskade des Glücks genießen. Die ersten drei Tage im Krankenhaus waren Entschleunigung und Ruhe. Jedenfalls nach den ersten 24 Stunden, in denen wir noch engmaschiger überwacht wurden. Ich hatte mir im Vorfeld nicht vorstellen können, dass ich diese ersten Tage des Wochenbettes als so angenehm empfinden kann. Trotz Bauch-OP, trotz Krankenhaus, trotz Neugeborenem, das versorgt und umsorgt werden will. Und trotz der Abwesenheit von Jonas, dessen Nähe mir fehlte und das ist bis heute so.
Es kam, mal wieder, anders als geplant. Und für einen Moment dachte ich, es wiederholt sich und mein Körper reagierte. Mit Panik, Tränen und Verzweiflung. Es durfte auch alles sein, am Tag vor deiner Geburt. Ich hätte es sowieso nicht unterdrücken können. Und dann hörte ich auf meinen Bauch, meinen Körper – und nicht meinen Kopf. Es waren die richtigen Entscheidungen für mich, für uns, für unseren Geburtsverlauf. Und aus „mal wieder“ wurde ein „ganz anders“. Auch wenn du nicht ganz anders auf die Welt kamst – per Kaiserschnitt. Auch wenn ich mal wieder genauso vor Freude und Erleichterung geweint habe als ich dich das erste Mal gesehen habe. Ich bin mal wieder ganz anders Mama geworden.
Du schenkst uns vom ersten Augenblick an so viel: deine Wärme, deine Bedingungslosigkeit. Oder doch: eine Bedingung hast du. Du willst einfach geliebt werden. Und es fällt uns einfach. Dieses Mal auch mir. Dafür bin ich dankbar. Dass ich dich sehen kann und dich auch erkenne. Dass ich dich im Arm halten kann und dich auch spüre. Dass ich dich stillen kann und mich dir dabei so nahe fühle. Dass du mein Baby bist. Dass ich mich als deine Mama fühle und ich mich dieses Mal von Anfang an in dir verliere. Kleine Aurelia.
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