Es gibt so etwas wie einen Still-Streik. Es war ein Wochenende Ende Januar, Jonas war gerade mitten in seinem Vier-Monats-Entwicklungsschub und er weinte bitterlich. Und er wollte nicht mehr an die Brust. Ich war sehr irritiert.
Was braucht er dann? Neue Windel? Nähe? Hat er Fieber? Aber eigentlich müsste er langsam mal was trinken. Meine Brüste machten sich auch bemerkbar. Das Spannungsgefühl kannte ich noch von meiner Brustentzündung. Und so etwas wollte ich UM JEDEN PREIS vermeiden. Der Vormittag und Mittag ging dahin. Jonas schrie und trank nicht. Wir waren verzweifelt. Ich rief bei meiner Hebamme an, aber ihren Ratschlag mich doch einfach unter die Dusche zu stellen, um die Milch rausfließen zu lassen und „die Babys wissen ja, wo sie Essen bekommen. Wenn sie hungrig sind, dann trinken sie schon“, half mir leider gar nicht weiter. Am Nachmittag kam mir eine Idee: Abpumpen und ihm die Flasche geben. Warum habe ich daran nicht früher gedacht? In den ersten Wochen haben wir täglich abgepumpt. Und siehe da, Jonas nahm die Flasche. Er war hungrig – und wie! Heute weiß ich, dass es zu einem sogenannten Still-Streik kommen kann. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich denke, Jonas hätte Ruhe, ein abgedunkeltes Zimmer, Hautkontakt und Geduld gebraucht. Und wahrscheinlich wäre ihm die Flasche trotzdem lieber gewesen. Es ging noch eine Woche so, dass es immer ein Glücksspiel war, ob er nun die Brust nahm oder die Flasche. Seitdem stehen für ihn die Brüste auf Platz 1 und die Freude ist bei jedem Wiedersehen groß.
aus: The boy, the mole, the fox and the horse, Charlie Mackesy
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