Dieser Tage ist „peng“ ein beflügeltes Wort in unserem Haushalt. Letzte Woche stand Micha bedröppelt in der Zimmertür und meinte nur: „Ich glaube unser Fernseher ist kaputt. Er hat auf einmal „peng“ gemacht.“ Lustigerweise gerade zu dem Zeitpunkt als er sich etwas über den Lego-Sternenzerstörer angeguckt hat…
Ja, der Fernseher war kaputt und nachdem mein Mann wehmütig in Erinnerungen geschwelgt hatte, wie lange er den Fernseher doch schon bei sich hatte und „welche treuen Dienste“ er doch geleistet hatte, stieg die Vorfreude sich nun einen neuen Fernseher aussuchen zu können. Mittlerweile steht der neue, doch sehr große, Fernseher bei uns im Wohnzimmer und verzückte als erste Amtshandlung Jonas mit einer Folge vom Sandmännchen.
Gestern Abend hat es wieder „peng“ gemacht. Dieses Mal ging eine der drei Glasscheiben in unserer Wohnungstür zu Bruch. Jonas war, mal wieder, den Flur auf- und abgerannt. Mit voller Wucht stoppte er sich mit seinen Händen voran an seiner Zimmertür ab, drehte sich um und rannte auf die gegenüberliegende Wohnungstür zu. Noch bevor ich etwas sagen konnte, war es passiert. Ich hörte das Krachen der zerspringenden Scheibe und Jonas drehte sich mit verzehrtem Gesicht um und ging ein paar Schritte zurück. Zum Glück haben wir eine alte Gardine vor der Tür hängen, sodass er nicht mit seinen Händen in das Glas gefallen ist! Meine erste Reaktion war ein: „Oh man, oh nein. Was ist denn jetzt passiert?“ Als ich Jonas Gesicht und Körperhaltung sah, wusste ich, dass er sich erschrocken hatte und genau wusste, dass etwas schlimmes passiert war. Sofort rief ich ihn zu mir und nahm ihn in den Arm. Ich redete mit ihm und sagte ihm, dass er das nicht mit Absicht gemacht habe und dass die Scheibe aber nun kaputt sei. Micha hatte das „peng“ gehört und kam aus der Küche. Mit mittelmäßiger Begeisterung machte er sich daran, den Schaden zu begutachten und das Glas zu entsorgen – unter den Augen einiger Nachbarn, die nachfragten, ob sich jemand verletzt hätte. Nach dem ersten Schrecken wollte Jonas eigentlich auch mit sauber machen. Wir hatten aber unser Glück für den Abend schon genug herausgefordert und so kommentierte er von meinem Schoß aus, was gerade passierte. Er fragte auch nach, ob denn die Gardine kaputt sei und war dann erleichtert, als er hörte, dass bald Handwerker kämen, um den Schaden zu reparieren und dann wieder „alles gut ist“.
Ich habe erst nach dem ganzen Aufräumen begriffen, was für ein Glück wir hatten. Denn ohne Gardine vor der Wohnungstür hätte es blutig enden können. Es war auch nicht das erste Mal, dass Jonas gegen die Tür gelaufen ist. Und wir hatten ihm schon oft erklärt, dass er das nicht machen darf, weil das Glas kaputt gehen kann. Und wie Micha gestern Abend zu mir sagte, es sei auch eine Lehre für uns. Denn wir hätten es noch konsequenter und disziplinierter unterbinden müssen. Die Gardine war ein Segen. Und gleichzeitig hat sie natürlich auch das Glas verdeckt, sodass weder für Jonas noch für uns die Gefahr durchgängig sichtbar war.
Natürlich liegt die Verantwortung bei uns! Jonas kann es nicht einschätzen, kann seine Kräfte nicht einschätzen und denkt im spielerischen Übermut nicht an mögliche Konsequenzen. Er ist mit drei Jahren in einem Alter, wo er natürlich ein „nein“ versteht, aber eben nicht unbedingt darauf hört. Das macht sich zum Beispiel auch beim Laufradfahren bemerkbar. Denn er fühlt sich sicher beim Fahren, will schnell fahren und fährt zu schnell an die Straßen ran oder zu weit voraus, sodass er um die nächste Ecke verschwindet. Er macht auch vieles toll. Er weiß auf seinen bekannten Strecken, wo Einfahrten sind; wo er also kurz anhalten muss, um zu gucken. Er steigt bei jeder Straße ab und schiebt hinüber. Und dennoch ist er ein dreijähriges Kind. Und die Verantwortung liegt bei uns.
Und ich stehe, mal wieder, vor der Frage: Bin ich zu lasch, lasse ich zu viel durchgehen und bringe ihn in Gefahr? Wie viel Freiraum und Autonomie kann ich ihm zustehen? Wo setze ich die Grenzen? Schätze ich die Situation richtig ein? Bin ich konsequent genug?
Ich habe für mich entschieden, dass einfach verbieten nicht die Lösung ist (außer bei eindeutigen Sachen wie beispielsweise alleine eine Kerze anzünden oder alleine über die Straße gehen). Vielmehr möchte ich Jonas einen sicheren Umgang mit Werkzeugen, beim Kochen, im Straßenverkehr etc. beibringen. Und gleichzeitig darf ich nicht vergessen, dass er zwar schnell lernt. Und eben trotzdem noch ein Kind ist, dass die Situation nicht einschätzen kann. Es ist ein ständiges austarieren. Und es ist nicht einfach. Es ist ein Spagat zwischen Verantwortung für mein Kind zu tragen und zu übernehmen und ihm dennoch Handlungsspielraum zuzugestehen. Es wäre schön, wenn dabei nicht noch mehr „peng“ macht.
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