Ich brauche kein Kind, um nachts wach zu liegen und mich hin- und herzuwälzen ohne in den Schlaf zu finden. Das konnte ich auch schon vor Jonas. Allerdings hat sich das mit Kind doch erheblich potenziert!
Es fing schon in der Schwangerschaft an. Während ich von allen Seiten hörte: „Du musst jetzt noch genug schlafen. Das geht mit Kind nicht mehr.“, war ich über drei bis vier Wochen nachts wach. Das letzte Trimester fiel mit dem Hochsommer zusammen und mit dem August kamen im Sommer 2022 Temperaturen um die 30 Grad und ein unbändiger Juckreiz an Händen und Füßen. Nichts half. Es war wirklich eine Qual. Ich lief mit dünnen Baumwollhandschuhen herum und versuchte mich abzulenken. Aber der Juckreiz war gnadenlos. Und so fragte ich mich Nacht für Nacht, ob ich mein Baby überhaupt in den Arm nehmen konnte, wenn dieser Reiz bis zur Geburt nicht verschwand. In dieser Zeit schlief – oder besser: wachte ich im Wohnzimmer auf einer Matratze. Denn ich wälzte, hörte Musik, stand auf, um natürlich auch mehrere Male die Toilette aufzusuchen…Schwangerenblase. Und Micha musste ja noch am nächsten Tag aufstehen und arbeiten. Wenigstens das blieb mir erspart. Ich war schon im Resturlaub/Mutterschutz.
Der Juckreiz verschwand als im September kühlere Temperaturen Einzug hielten. Und in meiner jetzigen Schwangerschaft bin ich davon verschont geblieben. Was für ein Glück! Mein letztes Trimester beginnt diese Woche und wir sind mitten im Herbst. Das hilft. An Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Neben einer kleinen Maus, die nachts gerne Turnübungen in meinem Bauch macht, schläft – oder besser: wacht Jonas dieser Tage nachts über uns. Naja, er hält uns wach. Er ist – mal wieder – in einem Entwicklungssprung. Als Baby hat sich das durch vermehrtes Weinen und schlechte Laune gezeigt. Jetzt zeigt es sich an seinem Essverhalten, einer kurzen Zündschnur und seinem Schlaf bzw. Nicht-Schlaf. Mit 10 Monaten fing die „Phase“ an, dass er nachts 1-2 Stunden wach war. Nicht ganz ungewöhnlich um den ersten Geburtstag herum. Allerdings sollte diese „Phase“ bei Jonas ein halbes Jahr dauern. Ohne einen täglichen Mittagsschlaf hätte ich das nicht durchgestanden! Und auch jetzt noch ist er nachts wach, wenn er einen Schub durchläuft. Ist ja nur eine „Phase“. Ja ja…das stimmt. Aber wenn man mittendrin steckt, ist es anstrengend. Und man weiß ja auch nicht, wie lange es dauert. Zwei Tage, zwei Wochen oder doch noch länger?! Schlafmangel ist schon nach einer Nacht brutal. Und mit Baby und Kleinkind hat man es über Jahre. Denn es gibt ja auch die Nächte, in denen man über sein Kind wacht, weil es krank ist oder es weinend aufwacht wegen eines schlechten Traumes oder es einfach die Nähe sucht und einen dabei anrammelt und aus dem Tiefschlaf holt und man dann eben nicht so schnell wieder einschlafen kann. Und es gibt auch weiterhin die Nächte, in denen ich nicht einschlafen kann oder nachts wachliege, weil meine Gedanken kreisen (momentan am meisten um Renovierung und Umzug) und ich neben mir Jonas liegen habe, dicht angekuschelt und mich frage, wie lange er wohl noch meine Nähe mag und einfordert und werde wehmütig, weil ich weiß, dass diese Zeit endlich ist und es irgendwann uncool ist, mit seiner Mama zu kuscheln. Dann werden die Nächte vielleicht wieder ruhiger und länger werden. Es fehlt dann vielleicht nicht mehr an Schlaf, aber es fehlt dann ein kleiner Junge an meiner Seite, dessen Nähe – oder Weinen, Husten, Singen,… mich nachts wach und warm hält.
Ach und weil es alles so schön ist, freuen Micha und ich uns riesig, dass wir das ganze noch länger erleben dürfen. Schlaflos in Göttingen Teil 2 beginnt im Januar 2026.
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