Monotone Vielfalt

Veröffentlicht am 5. Juli 2026 um 13:57

Ich bin leer und dumpf. Die Hitze der letzten und kommenden Tage trägt einen großen Teil dazu bei. Und der Schlafmangel. Dieser elende Schlafmangel.

Was soll ich groß erzählen, wenn die Tage dahinfließen. Manchmal zäh und manchmal zu schnell. Ich bin gefangen im Paradox von monotonem Alltag und neuen täglichen Herausforderungen. Ich schreibe „Herausforderungen“, weil es nicht wertend klingt. Aber ganz ehrlich: Wutausbrüche, auch wenn sie ihren Platz haben dürfen und sollen, nerven total! Das hin- und her von „will ich/will ich nicht“ nervt. Zum zwanzigsten Mal die gleiche Dino-Eisdiele bauen oder den Rasselball hinter dem Tuch verschwinden lassen nervt. Die Monotonie des gleichen Tagesablaufs gibt Sicherheit. Und es macht Angst: Wird mein Leben jetzt immer so aussehen? Bin ich als Milchbar angestellt und darf, je nach Laune, „sofort!“ mit Legobauen? Dreht sich mein Leben noch einmal um etwas anderes als das Zeitmanagement meiner Kinder? Den Schlafeinheiten der Kleinen? Den Wachzeiten des Großen?

Ich kenne dieses Paradox. Ich erinnere mich dunkel, dass ich mich schon im ersten Lebensjahr von Jonas so gefühlt habe. Und man könnte meinen, dass ich gelernt habe, dass diese gefühlte Ewigkeit begrenzt ist. Ich weiß das auch rational. Und trotzdem bin ich geschlaucht…ja von diesen tollen ersten Babymonaten und Kinderjahren, die man doch nachher so vermissen wird, weil die Zeit geht doch so schnell vorbei und dann wünscht man sie sich wieder, weil es die beste Zeit im Leben war und sie werden doch so schnell groß und man soll doch jeden Tag genießen.

Aha. Erst neulich kam wieder so ein Spruch „genießt die Zeit, sie geht so schnell vorbei“. Wenigstens mit dem Zusatz „naja, auch wenn es anstrengend war“. Oh ja, und wie anstrengend! Und scheinbar verschwinden diese Momente mit der Zeit und zurück bleiben die Erinnerungen an die ersten Male, die süßen Füße, das Kinderlachen und die wilden Abenteuer. Das ist auch gut so. Und trotzdem gibt es sie. Diese Tage, an denen man sich um 9 Uhr so fühlt, als wenn es 21 Uhr wäre. Und man einfach nur dem Abend entgegenfiebert, wenn es Zeit für die Bettroutine ist. Ich liege auch häufig um 20 Uhr im Bett. Wie ganz normale Erwachsene. Denn ich habe gar keine Kraft mehr, nochmal nach oben zu laufen, wenn die Kleine nach ihrem 30-Minutenrhythmus wieder aufwacht. Da liege ich lieber gleich daneben und muss aufpassen, nicht im Gedankenstrudel zu versinken. Und gleichzeitig ist mein Herz voller Wärme, denn egal wie erschöpft ich bin, ich liege mit meinen beiden friedlichen – weil schlafenden – Kindern im Bett und ich bekomme einen Kloß im Hals, weil ich weiß: diese besonderen Kuschelmomente sind endlich. Und ich möchte sie einfrieren wie sie jetzt sind – für immer. Aber dann würden wir die ganzen „Herausforderungen“ verpassen, die der Alltag noch für uns bereithält. Es gehört alles dazu. Und mittendrin sind wir und lachen, weinen, kämpfen, genießen und erträumen uns die Tage.

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