Ich poste es unter „Aus dem Alltag“. Nur dass es nicht in unserem Alltag ist. Oder doch. Nur still und leise. Hinter versteinerter Miene oder roten Augen, die ein Überbleibsel der Tränen sind, die geflossen sind. Denn irgendwann fließen keine Tränen mehr. Irgendwann sind da keine mehr. Und das Loch in der Brust schmerzt aber nach wie vor und es heilt wohl nie ganz. Denn wenn ein Leben, ein so frühes Leben, genommen wird, dann gibt es keine Erklärung, kein warum. Dann ist da einfach Schmerz und Trauer. Das habe ich mir sagen lassen.
Denn ich habe kein Sternenkind. Und auch kein Regenbogenkind. Ich musste nicht von den Träumen und Bildern Abschied nehmen, die sich unweigerlich mit dem positiven Schwangerschaftstest formen. Ich musste nicht irgendwie begreifen, dass das Leben in meinem Bauch nicht mehr lebt. Und dass ich es trotzdem ins Leben, also auf die Welt, gebären muss. Das Letzte, was eine Mutter für ihr Kind dann tun kann. Tun muss. Jedenfalls ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche. Oder wenn das Baby unter der Geburt stirbt. Ich musste nicht, Familie, Freunden, vielleicht einem älteren Geschwisterkind – mir selbst! – erklären, dass seit diesem Satz von der Ärztin (sowas wie „Da ist kein Herzschlag mehr“) alles anders ist. Und zwar nicht nur für die nähere Zukunft, sondern für immer. Denn da war jemand, der jetzt nicht mehr ist. Egal wie lange; ob Wochen oder Monate. Da war Hoffnung, Freude, vielleicht auch etwas Sorge oder Angst. Da war Leben.
Und das Leben geht weiter. Nur ohne dieses kleine Leben. Bunte Windräder und Windspiele auf Gräbern, Kerzen und Herzen, vielleicht ein Ultraschallbild erinnern daran. Und auch das Loch im Bauch.
Das ist nicht meine Geschichte. Das ist die Geschichte von so vielen Frauen, von so vielen Familien. Ich habe es miterlebt bei einer Freundin. Ich sage „miterlebt“. Dabei stand ich einfach nur sprachlos dabei. Denn es gibt nicht viel zu sagen. Nichts, was es besser machen könnte. Und ich bewundere den Mut der Familien, die sich erneut für eine Schwangerschaft entscheiden und ich respektiere die Angst der Familien, die sich schmerzhaft von ihrem Kinderwunsch trennen. Kinder kriegen ist das natürlichste der Welt. Nur dass es in der Natur eben auch oft mit Tod verbunden ist. Von Mutter und/oder Kind. Das haben wir vergessen. Oder verdrängen wir es? Weil die Angst für neun Monate einfach zu groß wäre? Kinder kriegen ist nicht selbstverständlich. Es ist nicht selbstverständlich ein lebendes, gesundes Kind im Arm zu halten nach einer Schwangerschaft. Es ist wirklich ein Wunder. Und manchmal bleibt das Wunder aus. Und wir stehen da mit leeren Armen und einem gebrochenen Herzen.
Ihr seid nicht alleine. Es gibt so viele, zu viele Geschichten. Und es gibt Anlaufstellen. Wenn man denn seine Erfahrung teilen möchte und von anderen hören möchte. In vielen Städten gibt es Angebote für trauernde Eltern. Der Regenbogen-Gesprächskreis in Göttingen feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Ein Ehrenamt und Herzensamt für diejenigen, die sich dort engagieren.
Ich habe wahrscheinlich, nein ganz gewiss!, so viele Facetten und Aspekte nicht beschrieben. Einfach weil ich es als Außenstehende nur erahnen kann und weil es für jede Familie auch etwas anders ist. Ich möchte einfach nur sagen: Alle Kinder – die Kinder an der Hand und jene bei den Sternen – gehören zu unserem Leben. Und nein, es ist nicht fair, dass wir sie nicht alle einfach in den Arm nehmen können und ihnen sagen können, wie lieb wir sie doch haben.
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