Postpartum..auch und noch immer nach sechs Monaten

Veröffentlicht am 9. August 2026 um 16:29

Sie ist schon lange kein Neugeborenes mehr und wird bald anfangen sich fortzubewegen, entweder robbend oder krabbelnd. Sie isst schon seit fast zwei Monaten Brei und braucht tagsüber und auch nachts trotzdem noch die gute alte Brust. Sie sagt schon „Mama“. Ganz eindeutig! Meistens wenn sie unzufrieden ist und will, dass ich sie hochnehme. Sie hat schon drei Kleidergrößen durch und wir erinnern uns immer gerne, wenn sie Stücke anzieht, die auch Jonas getragen hat.

In Aurelias Leben ist so viel in den letzten, fast sieben, Monaten passiert. So viele Meilensteine und „firsts“. Aus Winter ist Sommer geworden, alles ist aufgeblüht und neu erstrahlt. Auch Jonas in seiner neuen Rolle als großer Bruder und generell als Jonas – wenn er nicht gerade ein Dino, Drache oder Superheld ist. Micha und ich gucken uns manchmal immer noch ungläubig an, dass wir jetzt Eltern von zwei Kindern sind. Dieses Mal sind wir schnell reingeschlüpft in das „Eltern sein 2.0“.

Und ich bin noch zwischen den Welten. Ein Fuß schon voll und ganz als Mama von Jonas und Aurelia. Ein Fuß noch im dazwischen; zwischen der Frau vor den Schwangerschaften, der Schwangeren, der Mutter von einem Kind, der Partnerin und Freundin ohne Playdates. Alleine an die Schwangerschaft(en) erinnern noch einige, oder einige mehr, Kilos und die größere Kleidergröße. Und auch die Hormone sind noch sehr aktiv dank meiner Milchbar. Ich trage auch immer noch ein Gewicht vor mir herum, nun in der Trage oder seitlich auf der Hüfte und nicht mehr in meinem Bauch. Und ich bin auch nach wie vor eingeschränkt, in dem was ich tun kann. Vielleicht nicht mehr physisch…okay doch auch physisch. Mit 8 kg vor dem Bauch kann man schlecht Gartenarbeit machen. Und psychisch. Denn die depressive Episode nach dieser Schwangerschaft kam etwas später. Dann als ich sie am wenigstens erwartet habe. Dann als ich sie nicht mehr haben wollte (als wenn man das jemals will..). Und vielleicht ist sie deswegen auch schlimmer geworden. Weil ich dachte, es ist Sommer, die ersten drei Monate Babyzeit habe ich geschafft, es scheint als wenn doch alles back to normal gehen müsste, der Alltag mit Kind Nummer 1 ist durchstrukturiert und das Baby ist doch eigentlich auch ganz pflegeleicht.

Und all das spielt keine Rolle. Eine depressive Episode ist, was sie ist. Und in meinem Fall klopft sie nicht nur ein Mal im Leben an. Zum Glück oder eher: durch viel Übung habe ich einen Werkzeugkoffer, der mir hilft, mit diesen Phasen umzugehen. Und so zweifel ich dieses Mal postpartum nicht daran, dass meine Kinder mit mir besser dran sind als ohne mich. Trotzdem sind die Gedankenspiralen wieder da, die Wände, die gefühlt näher kommen, die Aussichtlosigkeit und die graue Schwere. Und es ist okay, mittlerweile (!). Es hat gedauert, bis sich der Sturm etwas gelegt hat und ich wahrhaftig den Gedanken zulassen konnte: Ich kann ein depressiver Mensch sein und gleichzeitig eine liebevolle Mutter und geliebter Mensch sein. Der Makel ist einfach auch ein Teil von mir. Wie meine überschwänglich, kindliche Freude über Weihnachten, meine Orangenhaut oder mein Mut, all dies aufzuschreiben. Natürlich will dich Organgenhaut nicht davon überzeugen, dass dein Leben keinen Wert hat. Depression ist eine ernsthafte Krankheit. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Sie ist nicht die Person. Sie ist nicht ich. Auch wenn sich das manchmal so anfühlen kann.

Es heißt, dass es bis zu zwei Jahren dauert, bis sich der Körper einer Frau wieder so eingependelt hat wie vor der Schwangerschaft. Postpartum ist also eine lange Zeit. Nicht nur die ersten Wochen. Es ist eine fragile Zeit, in der sich der Körper wieder neu ordnet und wir als Mamas, als Eltern, uns auch neu ordnen. Und dabei kann es immer wieder Stolpersteine geben. Bis wir wieder zu uns finden, zurück zum „Normalen“; was auch immer „normal“ bedeutet, in der neuen Realität mit neuen und alten Selbstverständnissen, was es heißt, "ich" zu sein.

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