Alle schlafen. Alle? Nein, in einem Schlafzimmer regt sich Leben. Stunden vor der Aufstehzeit. Und es ist nicht das Baby. Also das ist auch zwischendurch mal wach; eher halbwach. Sie trinkt kurz und rammelt sich dann an meiner Seite oder auf meinem Bauch wieder in den Schlaf. Mein Dreineinhalb-Jähriger hingegen ist wach, hellwach. Mal wieder. Wie damals als er fast ein dreiviertel Jahr jede Nacht zwei Stunden wach war. Einfach so. Weil er es konnte. Und er kann es immer noch.
Ich hingegen kann eigentlich nicht mehr. So müde - um halb drei (!) nachts. Und genervt. Wie kann das sein?! Wir haben gerade Wochen mit Krankheit und Husten in der Nacht. Teilweise sogar mit nächtlichem Ausflug mit Papa ans offene Fenster, um Pseudo-Krupp entgegenzuwirken.
Und nun, wenn es nicht der Husten ist, sind wir einfach so wach. Gestern Nacht wurde ich geweckt mit dem kläglichen Ausruf: „Hungi“. Nach kurzer Diskussion stand ich unten in der Küche und schmierte ein Käsebrot, während die einzigen anderen Lichter draußen die Straßenlaternen waren. Jonas hat die Scheibe Brot tatsächlich gegessen. Und ich habe das beste draus gemacht und ihn dabei auf den Schoß genommen und gekuschelt.
Manchmal sind wir auch einfach nur so wach und Jonas kann nicht wieder einschlafen. Und das bedeutet, ich kann auch nicht einschlafen. Denn ich werde alle fünf Minuten daran erinnert, dass er nicht schlafen kann, weil ich entweder eine Hand im Gesicht habe oder er mir etwas erzählen will. Und ich will schlafen und werde mit der Zeit genervt, gereizt und teilweise auch wütend. Denn: Warum? Wie kann das sein?! Und weil es so präsent ist nochmal ein…Warum? Kaum schläft Jonas ein, meldet sich die Kleine. Denn interessanterweise wecken sie sich nicht gegenseitig auf. Ich bin die einzige, die immer wach wird. Und dann schlafen endlich beide. Und ich in der Mitte eingeengt wie eine Sardine und wach. Zu müde, um einzuschlafen. Die Gedanken kreisen. Am besten an Orte und Momente, die es so gar nicht gibt. Wie soll ich das nur schaffen, wenn ich wieder arbeite bzw. wenn ich jetzt schon arbeiten würde? Was wenn Aurelia auch solche „Phasen“ hat? Wie soll ich die Tage durchhalten, wenn das noch länger so weitergeht?
Es sind am besten Gedankenspiele, die das schlimmste vermuten und mich ernüchternd und resigniert im Bett liegen lassen. Aber im Gegensatz zu damals, als wir diese „Phase“ schon einmal hatten, regen sich auch andere Ideen. Auch wenn mein Rücken schmerzt, meine Arme irgendwie unnatürlich abgespreizt sind, liege ich hier mit meinen beiden Kindern. Sie schlafen friedlich an meiner Seite. Und das ist endlich, also mit einem Ende. Denn irgendwann brauchen und wollen sie diese Nähe nicht mehr. Und dann liege ich vielleicht auch in der Nacht wach und habe meine beiden Wärmflaschen nicht mehr an meinem Körper und wünsche es mir zurück. Vielleicht nicht die Müdigkeit, aber die Innigkeit, die Vertrautheit und die Wärme. Denn auch wenn ich mir dann ein Kuscheltier schnappen kann, das mich nicht nachts aufweckt, ist das Gefühl der kleinen Hände und Füße in meinem Gesicht, auf meiner Brust und Bauch, in meinen Haaren, an meinem Rücken nervig, störend und unbeschreiblich schön.
Nachts um halb drei bin ich derzeit öfters wach. Und manchmal da schlafe ich auch. Und träume intensiv realistische Szenarien. Wie dass ich zu spät zur Schule komme und mich, endlich angekommen, partout nicht daran erinnern kann, wie mein Stundenplan aussieht und in welchen Raum ich nun eigentlich muss. Also irre ich durch das Schulgebäude. Das könnte vielleicht daran liegen, dass ich nunmehr seit fast 20 (!!) Jahren nicht mehr zur Schule gehe. Und das ist auch gut. Denn nach den schlaflosen Nächten mit Husten, Broten und Diskussionen könnte ich dem Unterricht sowieso nicht folgen. Dafür gibt es die nächtlichen Lebenslektionen: Kein Kind ist gleich. Kinder funktionieren nicht nach den Lehrbüchern, wie und wann sie schlafen. Sie sind das größte Glück und die anstrengendste Herausforderung. Ich schaffe es irgendwie immer weiterzumachen. Kinder machen ihr Ding. Und die Mamas dürfen mitmachen. Jedenfalls eine Zeit lang. Tags und nachts.
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